Liebe Kollegin, lieber Kollege
das Frühlingslicht verändert Gebäude und deren Wahrnehmung grundlegend. Es ist heller und intensiver als im Winter, aber noch flach genug, um Details sichtbar zu machen. Fassaden wirken plastischer, Konturen werden deutlicher, und Räume erhalten neue Tiefe. Nicht umsonst sprechen Architektinnen und Fotografen von der „goldenen Stunde“ im Frühling.
In der Architektur ist Licht ein wesentliches Gestaltungselement. Architekten setzen gezielt Sonnenlicht und Schatten ein, um Räume und Baukörper zu strukturieren. Besonders im Frühjahr zeigt sich, wie sorgfältig geplante Öffnungen und Überstände wirken. Ein einfaches Vordach kann plötzlich den Unterschied zwischen Monotonie und spannungsreicher Gestaltung ausmachen. Das Frühlingslicht offenbart so Qualität oder Schwächen einer Planung.
Auch Materialien reagieren unterschiedlich auf Licht. Beton wird lebendig, Holz warm, Glas reflektiert seine Umgebung nuancenreich. Fotografinnen und Architekten wissen um diese besondere Eigenschaft des Lichts. Sie dokumentieren Gebäude bewusst im Frühjahr, weil zu dieser Zeit Qualitäten sichtbar werden, die im restlichen Jahr verborgen bleiben. Es ist vergleichbar mit einem Theaterstück, dessen Kulissen erst durch präzise gesetztes Licht ihre volle Wirkung entfalten.
Ein historisches Beispiel zeigt sich im... mehr
Herzlichst
Stuart Stadler Architekt
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