Baukunst-Lichtblicke in dunklen Tagen: Architektur als moralischer Kompass
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Lichtblicke in dunklen Tagen: Architektur als moralischer Kompass

25.11.2024
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Ignatz Wrobel

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Der Herbst, mit seinen fallenden Blättern und kürzeren Tagen, hat oft den Ruf, Melancholie zu wecken. Vielleicht liegt es an der Dunkelheit oder an den schlechten Nachrichten, die in dieser Zeit besonders laut scheinen. Doch sollten wir uns von trüben Schlagzeilen nicht den Blick auf das Wesentliche verstellen lassen – die positiven Veränderungen, die wir als Architektinnen und Architekten bewirken können.

In einer Welt, die mit geopolitischen Spannungen und ökologischen Krisen kämpft, liegt die Verantwortung unserer Disziplin nicht nur in der Schaffung von Räumen, sondern in der aktiven Gestaltung einer besseren Zukunft. Architektur ist weit mehr als ästhetische Hülle oder funktionale Konstruktion. Sie ist ein moralischer Kompass, der die Werte und Hoffnungen einer Gesellschaft reflektiert.

Die Künstlerin Patti Smith demonstriert mit ihrem Gedicht Zurück an die Arbeit eindrucksvoll, wie sich auch in schwierigen politischen Zeiten konstruktive Wege finden lassen. Ähnlich inspirierend wirkt David Byrnes Online-Magazin Reasons to be Cheerful, das gezielt Lösungsansätze für globale Herausforderungen präsentiert. Ein Ansatz, den wir in unserem Bereich adaptieren könnten. Warum also nicht Geschichten über gelungene Umnutzungen, innovative Bauweisen oder integrative Stadtplanungen erzählen, anstatt nur die Katastrophen des Bauens zu beleuchten?

Dennoch hat auch das Scheitern seinen Platz. Die Plattform Failed Architecture erinnert uns daran, dass Fehler lehrreich sein können. Sie zeigt, wie wichtig es ist, kritisch zu bleiben und aus den Fehltritten der Vergangenheit für zukünftige Projekte zu lernen. Denn ohne Reflexion bleibt Fortschritt ein Wunschtraum.

Vielleicht braucht es in diesen Tagen ein wenig Patti Smith: mit ihrem „Zurück an die Arbeit„. Denn gerade jetzt ist Engagement gefragt. Jede noch so kleine Initiative, sei es ein nachbarschaftliches Bauprojekt oder ein öffentliches Gebäude mit Vorbildcharakter, trägt zur Veränderung bei.

Architektur hat die Kraft, Optimismus auszustrahlen. Sie wandelt sich, wie sie es schon immer getan hat. Aus jedem Problemfeld entstehen neue Ansätze, aus jeder Krise wächst Innovation. Wenn nun noch die Leistungen der Architektinnen und Architekten angemessen honoriert würden, könnte unsere Branche ihr volles Potenzial entfalten. Vielleicht ist es gerade diese Fähigkeit zur ständigen Transformation, die unseren Beruf so besonders macht.

Ich wünsche Ihnen einen inspirierenden Monat und Projekte, die Licht ins Dunkel bringen – nicht nur sprichwörtlich, sondern ganz real.

Herzlichst

Ihr Stuart Stadler
Architekt und Herausgeber